Online – Offline, das ist doch alles dasselbe oder nicht?

Die Coronakrise brachte es mit sich. Vieles war plötzlich nicht mehr so, wie es immer war, auch das Vereinsleben der Orchesterfreunde. Ganz anders lief der Alltag im Orchester. Für die einen hieß es: „Schade, dass all die schönen Dinge, die wir mit den Orchesterfreunden erlebten, gar nicht mehr möglich sind. Wie wird es weitergehen? Es passiert ja gar nichts.“ Für andere wiederum: „Oh, toll, was ihr alles macht und danke, dass ihr uns online fast dabei sein lasst!“

Offline, online… das ist für den Einzelnen immer noch sehr verschieden, die Erlebnisse gehen weit auseinander. Was offline an einem Ort für wenige stattfindet, wird online ausschnittsweise gezeigt, beschrieben, nur wer sich mit diesem „online“ auskennt, wird es finden und fühlt sich mitgenommen. Einige können oder wollen diesen Weg nicht gehen. Wir suchten nach einer Möglichkeit, das Onlinevereinsleben mehr ins Offline zu holen.

Telefonisch hatten wir uns angemeldet, am anderen Ende hörten wir oft ungläubiges Staunen: „Sie kommen extra wegen mir/uns? Das wäre ja toll!“ So begann unsere Planung für einen ganz besonderen Tag im September…

Am vergangenen Freitag war es dann soweit. Ute Günther und ich (Susanne Schneider) packten Notenständer, Klammern, unsere Flöten, ein paar Duette und das frisch gedruckte „Onlinejournal zum Anfassen“ der MDR-Orchesterfreunde ins Auto und fuhren durch Leipzig zu einigen teils hochbetagten Mitgliedern des Freundeskreises, um das Heft mit „unserem“ ausgedruckten Internet zusammen mit einem musikalischen Gruß zu überbringen. Ob im Garten oder auf dem Balkon oder im Wohnzimmer mit offenen Fenstern, die Minikonzerte wurden freudig und dankbar angenommen.

Bei Überreichung des Journals sagte Frau Schuhknecht, 93jähriges Vereinsmitglied: „Und nun kann ich doch noch alles lesen, wie schön! Ich habe ja schon von den anderen davon gehört, aber wissen Sie, ich in meinem Alter habe nicht mehr mit diesem Internet angefangen.“ Diesen Satz sollten wir noch oft hören an diesem Tag.

Strahlende Gesichter waren unser schönster Beifall. 

Das Vereinsleben, das von persönlichen Begegnungen bei Konzerten des MDR-Sinfonieorchesters und gemeinsamen Unternehmungen lebt, ist durch die Corona-Krise nahezu zum Erliegen gekommen, zumindest das Offline-Analog-Leben. Die Begegnungen der Orchesterfreunde im Foyer fehlen vielen der zumeist älteren Mitglieder. Dass sich das Orchester aber vom Coronavirus nicht einschüchtern ließ, fleißig durchs Sendegebiet fuhr und in kleinen Gruppen Lieder im Freien frei Haus lieferte, ist an vielen Mitgliedern mehr oder weniger vorbeigegangen. 

Von den Musikern wurde während dieser Zeit der großen Einschränkungen im Netz viel auf den Socialmedia-Kanälen Instagram und Twitter sowie im Blog berichtet. Die Beiträge und Stories wurden oft freudig „beherzt“ und kommentiert. Danke! Wir berichten gern und freuen uns über das Interesse!

Das alles wurde aber natürlich meist nur von Nichtmitgliedern oder den Mitgliedern wahrgenommen, die auch im Netz online unterwegs sind. Für viele der älteren, eingetragenen Mitglieder ist das jedoch noch immer zu krasses #Neuland. Wie weit die Welten dabei auseinandergehen, zeigt uns der Sachverhalt, dass das Rautezeichen, das im Internet für Hashtags verwendet wird, bei unseren Mitgliedern oft noch immer ausschließlich im musikalischen Zusammenhang der Tonerhöhung bekannt ist. Wir Musiker dachten deshalb darüber nach, wie wir trotz aller Einschränkungen Kontakt zu den Offline-Mitgliedern halten könnten in dieser schwierigen Zeit, uns für die lange Treue und für die gezahlten Mitgliedsbeiträge und Spenden bedanken könnten. Es ist abzusehen, dass die Einschränkungen, die die anhaltende Corona-Krise mit sich bringt, uns noch über den kommenden Winter beschäftigen. Konzertbesuche mit Begegnungen im Foyer sind für Mitglieder dieser Risiko-Altersgruppe noch immer oft nicht möglich. Nicht-Internetnutzer sind da von vielen Bereichen abgehängt.

Schnell waren wir uns einig: Kurzerhand erstellten und druckten wir eine Broschüre, in der alle Blogartikel, die bis zum Sommer in unserem Blog veröffentlicht wurden, nachzulesen sind und begannen zu organisieren. Minikonzerte im Garten oder im Wohnzimmer mit offenen Fenstern sind auch im September noch möglich. Per Telefon und E-Mail meldeten wir uns an. Freude über diese Aktion schlug uns entgegen! Schnell war ein Tag „ausgebucht“. Zu zweit zogen wir zuerst zu Besuchen bei Einzelpersonen bzw. Ehepaaren los. Es war ein gelungener Auftakt! Wenn es die Situation zulässt, werden weitere dieser Tage folgen.

Heute war Post im Briefkasten mit einem wunderbaren Dankeschön, das ich im Namen von Ursula und Dr. Wolfgang Schramm an alle weiterreichen soll und den ich mit Freude abschrieb:

„Leichte Zeiten sind es wirklich nicht, die seit vielen Monaten die Musiker des MDR-Sinfonieorchesters wegen der Corona-Krise erleben müssen. Allerdings suchen sie ideenreich nach Wegen und Möglichkeiten, ihr Publikum zu erreichen und zu unterhalten. Die Freude an ihrem Beruf als Musiker bleibt ungebrochen.

Einige Mitglieder des Orchesters suchen z.Bsp. Kontakte zu den Orchesterfreunden – insbesondere zu den ehemaligen – die aus unterschiedlichen Gründen – Gesundheit oder Alter – ausgeschieden sind. So danken sie ihnen für ihre langjährige Mitgliedschaft im Freundeskreis des Sinfonieorchesters des MDR. Es besuchen einige Mitglieder des Orchesters seit einiger Zeit die Musikfreunde in ihren Wohnungen und bieten kleine Hauskonzerte.

So überraschten uns am Freitag, dem 25.9.2020 um 15 Uhr Frau Schneider und Frau Günther mit ihren Instrumenten in unserer Wohnung. Mit Freude boten sie ein anspruchsvolles Programm mit Werken von Bach, Mozart und Raymond, das mit Dankbarkeit und ein paar Tränen der Rührung angenommen wurde. 

Vielen Dank für die musikalische Unterhaltung.

Ursula und Dr. Wolfgang Schramm

Vielen Dank für diesen freundlichen Beitrag, den wir in diesem Blogartikel veröffentlichen durften, es hat uns Musikerinnen wohl sicher ebensolche Freude bereitet wie Ihnen, liebes Ehepaar Schramm!

Einen fulminanten Abschluss fand der Tag vor dem Hauseingang zu einem 16-Geschosser in Leipzigs Innenstadt. Familie Tonndorf, langjährige Mitglieder im Verein, hatten dort rührig mit Aushängen im Flur ihre Hausgemeinschaft zusammengetrommelt, die bereits auf uns wartete, mit viel Abstand und mit Masken! Mit so viel Publikum hatten wir gar nicht gerechnet! Wir hätten ein ausgewachsenes Kammerkonzert spielen können… ein wenig traurig waren wir, dass wir doch nur zu zweit kommen konnten.

Eigentlich wollten wir in LLD-Quartettstärke spielen, aber es kam einiges dazwischen, auch die Ersatzlösung der Ersatzlösung scheiterte am Vortag krankheitshalber. So ist das manchmal, in diesen Tagen müssen wir bei jedem Anzeichen vorsichtiger denn je sein. Ute Günther erklärte sich zum Glück sehr kurzfristig bereit, mitzukommen. Am Morgen suchten wir uns flott ein vielfältiges, kleines Duettprogramm heraus – ein Duettsatz von Wilhelm Friedemann Bach zur Eröffnung, eine Arienbearbeitung für zwei Flöten von Mozart, als Abschluss stutzten wir uns kurzerhand einen Foxtrott aus der Operette „Maske in Blau“ von Fred Raymond für uns zurecht, noch zwei kleine unterhaltsame Zugaben in die Mappe gesteckt… Fertig war das Minikonzertprogramm mit Flöten und Bassflöte! Für die Besuche bei Einzelpersonen ideal, spätestens hier beim Abschluss hätten wir uns allerdings Verstärkung gewünscht. Liv Bartels, Bratscherin des angekündigten Quartetts und Michael Gühne vom Orchestervorstand stießen zum Zuhören und Fotografieren hinzu, auch um ein bisschen Werbung für den Verein mit zu verteilen. Begeisterung trotz Abstand erlebten wir, es war zu spüren, wie sehr sich alle endlich Normalität in den Konzertsälen wünschen! Andererseits waren sich aber auch alle einig, dass man weiterhin vorsichtig sein muss, nicht zu viel wagen darf, lieber Geduld haben und warten, jede kleine Gelegenheit wie zum Beispiel dieses Minikonzert genießen… was für ein tolles Publikum! Eine neue Förderin entschloss sich spontan, in den Verein einzutreten.

Spenden und Blumen wurden am Schluss überreicht, vielen Dank!

Aufgrund des großen Zuspruchs aus der Hausgemeinschaft beschlossen wir sehr spontan, uns für das nächste Frühjahr oder den Sommer hier noch einmal in ursprünglich geplanter Besetzung zu einem längeren Nachhol-„Liederlieferdienst“ zu verabreden. Hoffentlich hat sich bis dahin all der Coronaspuk gelegt.

Das gespendete Geld wird zum einen Teil in die Vereinskasse eingezahlt und kommt den Projekten des MDR-Sinfonieorchesters zugute, die vom Verein unterstützt werden, wie z.Bsp. für Workshops mit Praktikanten, die im Rahmen ihrer Praktika beim MDR-Sinfonieorchester durchgeführt werden und die für ihre weitere berufliche Entwicklung wichtig sind (Themen sind u.a. „Üben im Flow“ und sogenannte Probespieltrainings). 

Sollten Sie die Workshops mit einem Extrabeitrag unterstützen wollen, können Sie gern mit einer Überweisung auf das Konto unseres Vereins dazu beitragen.

Vereinskonto Freunde des MDR-Sinfonieorchesters e.V.
Kennwort: Praktikantenworkshop

IBAN: DE43 8605 5592 1100 6733 73
BIC: WELADE8LXXX

Eingetragenes Mitglied des Freundeskreises des MDR-Sinfonieorchesters e.V. können Sie jederzeit werden, das Beitrittsformular finden Sie hier. Mit Ihrem Jahresbeitrag von 30,-€ (Einzelpersonen) oder 45,-€ (Paare) fördern Sie viele Projekte des MDR-Sinfonieorchesters und haben die Möglichkeit, an besonderen Veranstaltungen im Rahmen des Vereinslebens teilzunehmen. Wenn Sie sich entschließen, Förderer zu werden, leisten Sie mit einer zusätzlichen jährlichen Spende von 150€ einen ganz besonders wertvollen Beitrag! Vielen Dank!


Der andere Teil des Spendengeldes wird zusammen mit dem Erlös einer weiteren Spendensammlung unter den MusikerInnen des MDR-Sinfonieorchesters an den Nothilfefond der Deutschen Orchesterstiftung überwiesen. 

Auch da besteht noch immer die Möglichkeit zu spenden, hier die Kontoverbindung zum Nothilfefond:

Deutsche Orchester-Stiftung
Kennwort: Nothilfefonds

IBAN: DE35 1004 0000 0114 1514 05
BIC:   COBADEFFXXX

Weitere Informationen dazu finden Sie direkt auf der Seite der Deutschen Orchesterstiftung: https://orchesterstiftung.de/nothilfefonds/spendenaufruf/

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