Archivschnipsel 2/2019

In unserem ersten Archivschnipsel vom 24. September 2019 erzählten wir, dass Richard Strauß in Leipzig zum ersten Mal vor ein Dirigentenpult des deutschen Rundfunks trat. Dazu findet sich in der Festschrift zum 40jährigen Jubiläum des Rundfunksinfonieorchesters Leipzig von Willi Pretzsch folgende Geschichte beschrieben, die wir hier gern als Archivschnipsel zitieren:

„Sonntag, den 20. Oktober 1929, dirigiert Richard Strauß:

Vorspiel zur Oper „Guntram“

„Don Juan“, Sinfonische Dichtung

Suite aus „Bürger als Edelmann“

„Till Eulenspiegels lustige Streiche“

In der vorletzten Probe in der Alten Börse, dem Raum für Proben und Sendungen, geht kurz nach 12 die Tür auf. Ein Mann schaut herein, winkt Richard Strauß zu, verschwindet sofort wieder. „In 10 Minuten ist die Probe beendet“, flüstert mir mein Nachbar im Orchester zu. Nach 8 Minuten klopft Strauß ab. „Vielen Dank – heute nachmittag weiter!“ Der Nachbar, befragt nach so prophetischer Gabe, antwortet: „Der Herr war Strauß junior. Wenn der kommt, weiß der Vater, daß es hohe Zeit ist, zum verabredeten Skat zu erscheinen!“ – Das Konzert wird zum großen Erfolg. Es wird von einer Reihe Sender ausgestrahlt, darunter Leipzig, Berlin, Hamburg. Richard Strauß dirigiert eigentlich gar nicht Richard Strauß. Er dirigiert Mozart. Mit ganz kleinen Bewegungen, sparsamen Gesten, helfend, unterstützend, hie und da ein Glanzlicht setzend. Das übrige macht das Orchester, von Strauß in beste Spiellaune versetzt. Für Richard Strauß gibt es Ehrungen über Ehrungen: Glückwünsche, Blumen, eine eigens für das Konzert entworfene, wundervoll aus Silber getriebene Schale mit Erinnerungsinschrift, das höchste bis dahin an einen deutschen Dirigenten gezahlte Honorar, Shakehands vom und zum Orchester, Anerkennung, Dank. So am Abend des Konzerts. 35 Jahre später noch lebt bewunderndes Gedenken an einen großen Komponisten und großen Dirigenten.

Soweit Willi Pretzsch in der Festschrift zum 40jährigen Jubiläums des Rundfunkorchesters Leipzig. Eine erstaunliche Geschichte, die kaum noch jemand kennt heute. Oder haben Sie sie gekannt?

Dienstags ist der #Depotdienstag der Museen, wir zeigen Schnipsel, die uns in unserem Archiv in die Hände fallen, aber auch Schnipsel, die mdr-Orchesterfreunde zu uns bringen. Deshalb unsere Frage an Sie: Haben Sie Erinnerungen zu Hause? Haben Sie Geschichten zum Orchester zu erzählen? Schreiben Sie uns oder erzählen Sie es uns (…möglichst so, dass wir es uns merken können, also am besten vor einem Mikrofon.)! Wir sind sehr neugierig…

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