Ich mag es Pläne zu schmieden und spontan doch was völlig anderes zu machen

Im Frühjahr 2020 hat die Geigerin Irène Zwiener offiziell ihre Probezeit im MDR Sinfonieorchester bestanden und bereichert seit dem die Gruppe der 2. Violinen. Auch von unserer Seite herzlichen Glückwunsch dazu! Wir haben sie für die Orchesterfreunde interviewt und stellen die charmante Kosmopolitin hier näher vor.

Irina beim Geigenunterricht mit ihrem Vater

„Wie macht der Papa bloß diese schönen Klänge? Das muss ich auch mal probieren!“, das hat sich Irène, oder Irina, wie sie lieber genannt werden möchte, schon im zarten Alter von vier Jahren gedacht und bekam von ihrem geigenden Vater schließlich auch den ersten Unterricht. Heute erinnert sie sich an die ersten Schritte auf der Violine so: „Mein Vater ist Geiger, und er hat mich sehr fasziniert. Dazu war er mit mir als Kleinkind schüchtern und unsicher, dadurch ziemlich distanziert. Ich glaube, dass ich durch die Geige seine Nähe gesucht habe.“ Doch auch ihre Mutter scheint schon früh ihre Musikalität mit beeinflusst zu haben. Lächelnd berichtet Irina von ihrem ersten musikalischen Erlebnis – den Brahmsschen Cellosonaten – im Bauch ihrer Mutter, das offenkundig bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

In der Staatskapelle Weimar lernt Irina
das große Konzert- und Opernrepertoire kennen

Ihr weiterer musikalischer Weg führte die gebürtige Französin mit rumänischen Wurzeln einige Jahre später an das Konservatorium in Nantes. 2002 gewinnt sie dort den „Prix de Violon“ und den „Prix de musique de chambre“. Getrieben von dem Wunsch nach Weiterentwicklung, setzt sie an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig in der Klasse von Mariana Sirbu schließlich ihre Studien fort. Im Jahr 2006 kehrt sie zu den Ursprüngen ihrer Familie zurück und verbringt ein Semester an der Musikhochschule Bukarest um von dem Violinisten Stefan Gheorghiu weitere Anregungen zu bekommen. Auch ihr Nebeninstrument, das Klavier, begleitet sie dort weiter.

Zurück in Leipzig, spielt sie dort 2008 ihr Diplom und wird gleichzeitig Stipendiatin der Akademie des Gewandhausorchesters. Dort erhält sie weitere geigerische Impulse von Henrik Hochschild, Andreas Seidel und Sebastian Breuninger.

Auch auf der Barock-Violine fühlt sich Irina zu Hause

Spätestens zu dieser Zeit lernt Irène Zwiener die besondere Faszination des Musikerberufes kennen und lieben. „Die unglaubliche Kraft der Gruppendynamik“, ist es, die sie selbst erklärterweise im Orchester am meisten begeistert. Wohl auch deshalb wird sie 2012 Vorspielerin der 2.Violinen in der Staatskapelle Weimar, lernt dort Opern und Sinfonisches Repertoire kennen. Die hochromantische Literatur hat es ihr dabei am meisten angetan. „Im Orchester spiele ich am liebsten Mahler und Bruckner“, entgegnet sie auf die Frage, welche Komponisten sie am liebsten spielt. Doch genauso wie sich die vielseitige Geigerin gekonnt überall in der Welt zu Hause fühlen kann, so ist sie auch in unterschiedlichen musikalischen Epochen unterwegs und studiert in dieser Zeit nebenbei Barockvioline an der HfM Weimar bei Nadja Zwiener. Bis sie 2019 schließlich ihre, wie sie es nennt, „musikalische Heimat“ im MDR Sinfonieorchester findet.

Im MDR Sinfonieorchester hat Irina ihre musikalische Heimat gefunden

Fragt man die stets heitere Geigerin welchen Dirigententypus sie bevorzugt – den, der die Zügel fest in der Hand hält oder den, der viele Freiheiten lässt? – antwortet sie lachend: „ Ich glaube der, der die Illusion schafft viele Freiheiten zu lassen, aber doch die Zügel fest in der Hand hält…“

Besonders beeindruckt hat Irina bisher v.a. ihr Auftritt im Vatikan. Aber auch von einprägsamen Erlebnissen aus dem Orchestergraben weiß sie zu berichten: „Ich erinnere mich an eine Generalprobe für Mozarts Oper „Die Zauberflöte“, als eine Hornisse ständig zum Dirigenten und zum Bratschen-Pult flog, bis sie neben mir war und ich sie, inmitten einer ganz leisen Stelle, mit meinen Noten tötete.“

2010 beim Besuch in der Carnegie Hall präsentiert Irina stolz ihre neuen Schuhe


Doch keine Sorge – Irina bezaubert ihre KollegInnen zumeist mit ihrem sanftmütigen und lebensbejahenden Wesen und geht in ihrer Freizeit zum Ausgleich auch eher friedlichen Tätigkeiten und Hobbies nach. „Ich mag es mit Freunden zu kochen, zu lesen, spazieren zu gehen, Kunstausstellungen zu besuche und ins Kino zu gehen, Pläne zu schmieden und spontan doch was völlig anderes zu machen.“

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