Ein neuer Trompeter macht den Anfang

In letzter Zeit wurden viele, langjährige Kollegen aus dem MDR-Sinfonieorchester in den Ruhestand verabschiedet, wir berichteten und werden das auch weiterhin. Ebenso oft konnten neue Kollegen im Orchester begrüßt werden und so möchten wir hier in Zukunft die Gelegenheit nutzen, nicht nur zu verabschieden, sondern auch „die Neuen“ ein wenig näher vorzustellen. Beginnen wollen wir mit Philipp Lang, der im vergangenen August seinen Dienst als Solotrompeter aufnahm und nun das Probejahr bestand.

Das Interview führte Susanne Schneider

Herzlich willkommen Philipp – das Probejahr ist bestanden, herzlichen Glückwunsch! Wie war das erste Jahr im MDR-Sinfonieorchester? Was ist für dich das Besondere, Mitglied in diesem Orchester zu sein? Gab es bereits ein außergewöhnliches Erlebnis im Orchester?

Dankeschön, ich freu mich sehr, in diesem Orchester zu sein!

Das erste Jahr im MDR-Sinfonieorchester war, trotz Probezeit, ein sehr Angenehmes mit ganz vielen schönen Konzerten.  

Das Besondere an diesem Orchester ist für mich, dass es unter den Kollegen einen super Zusammenhalt gibt und wir ganz besondere Konzerterlebnisse haben. Dank der Unterstützung meiner Trompetengruppe hatte ich super erstes Jahr! 

Ein außergewöhnliches Erlebnis: da hatte ich sehr viele 😉….aber eines hatte ich schon als ich noch nicht im Probejahr war…bei meinem ersten Probeprojekt stand eine Reise nach Linz (meine Heimat) am Programm…wir sind mit dem Zug gereist und ich wusste bis dahin nicht, dass Konzertreisen mit einem Berufsorchester so viel Spaß machen können! Mehr muss man dazu auch nicht sagen 😉 Ich wusste dann aber, dass ich vielleicht ganz gut reinpasse und ich mich durch und durch wohlfühle…und zum Glück hab ich dann die Stelle bekommen und jetzt auch das Probejahr bestanden….JUHUUUUU

Wie lange begleitet dich Musik in deinem Leben? Gab es ein erstes musikalisches Erlebnis, das den Anstoß gab, Musiker zu werden? 

Anhand dieses Fotos kann man sehen, dass mich die Musik schon sehr lange begleitet. Auf dem Foto bin ich 4 Jahre alt und das war die Trompete meines Vaters. Trompetenunterricht hatte ich dann allerdings erst mit 11 Jahren. Schnell kam ich zur Blasmusik und alles nahm seien Lauf. Ich besuchte den musikalischen Zweig in der Schule in der ich auch Matura (Abitur) machte und es drehte sich alles immer mehr um die Trompete. Ich verbrachte dort ganze Nachmittage um mit dem dortigen Trompetenlehrer zu üben. Ich habe dann irgendwann entschieden, dass ich unbedingt Orchestermusiker werden möchte!  


Warum wurde die Trompete „dein“ Instrument? Was war bisher deine prägendste künstlerische Erfahrung?
Was fasziniert dich an deinem Beruf am meisten?


Wie oben schon erwähnt, mein Vater war Trompeter in der heimischen Blaskapelle, somit war klar, dass ich das auch werde 😉.

Ich hatte einige prägende Erlebnisse….leider nicht nur Positive, aber die Negativen haben mich stärker gemacht….da wäre jetzt schon eine, die ich als die Prägendste bezeichnen könnte, aber da ich immer positiv denke, möchte ich hier nicht über Negatives sprechen!

Was mich sicherlich am meisten fasziniert an meinem Beruf, ist, dass es nie langweilig wird, auch nicht, wenn man das Stück 100 mal gespielt hat! Das heißt aber auch, dass es nie leichter wird 😊.


Ein Trompeter hat die Möglichkeit, viele verschiedene Trompeten zu spielen je nach Stilepoche und Genre. Gibt es Vorlieben?

Eigentlich bin ich offen für alles, aber am liebsten spiele ich natürlich unsere Orchesterliteratur!

Wenn ich Zeit habe, spiele ich auch gerne Blasmusik…so wie früher….ohne Noten…

Philipp spielt mit seinem Vater

Ich höre auch gerne Jazz und Popularmusik, aber um es selbst zu spielen müsste ich etwas mehr in diesem Bereich üben. 

Die Trompete hat in vielen Werken eine besondere Rolle und die Solotrompete ist eine Schlüsselstelle im Orchester, als Rundfunkmusiker muss man vielseitig sein. Genießt Du diese Gestaltungsräume, oder kann das manchmal auch Druck bedeuten?

Ich genieße schon die Gestaltungsräume die man als Solotrompeter hat. Das kann schon großen Spaß machen, wenn man einen super Tag hat, nur manchmal läuft es halt nicht so und dann wird der Druck schon etwas größer. Aber ich liebe Herausforderungen!

Gibt es noch andere „Nebeninstrumente“ neben der Trompete? 

Leider nicht! Oder zum Glück nicht? 

Gibt es ein Stück über das Du Dich besonders freust, wenn es auf dem Programm steht, weil du es sehr gern im Konzert spielst? Welche Komponisten/Werke magst du besonders?


Besonders freue ich mich immer, wenn Bruckner, Mahler oder Strauss am Programm stehen…ist zwar anstrengend aber auch richtig g…! 

Dirigentenfrage! Was ist Dir persönlich lieber, ein klar vorgebender, strenger Maestro oder ein Dirigent, der einen offeneren und kooperativen Arbeitsstil pflegt, der den Orchestersolisten viel Gestaltungsspielraum lässt? 

Ich sage mal so…die Abwechslung schadet nie 😉

Wie erlebst du in den Orchesterkonzerten die Verbindung zum Publikum? Inwieweit erlebst Du, dass du bei Konzerten Freude und Unterhaltung zu den Menschen bringst?

Die Distanz zum Publikum ist in unseren Konzerten natürlich immer relativ groß, aber ich denke schon, dass man das Publikum emotional erreichen kann. 

In der Coronazeit hat man bei unserem Lieder-Liefer-Dienst ja gesehen wie wertvoll live gespielte Musik ist und wie sehr man Menschen damit berühren kann….auch das Gespräch danach mit dem Publikum fand ich sehr interessant! 

Die Coronakrise trifft uns Musiker hart, denn Konzerte in voll besetzten Sälen waren von einem auf den anderen Tag nicht mehr möglich. Wie erlebtest du diese Zeit? Was denkst du, wird uns die nahe und ferne Zukunft bringen?


Für mich war es teilweise schon sehr hart, da ich einfach sehr gerne spiele und auch lange meine Kollegen nicht sehen konnte….da hat mir schon etwas gefehlt…..zum Glück begann dann der LLD…ich hoffe aber, dass alles bald wieder normal wird und wir bis dahin halt in Besetzungen spielen, die den Corona Auflagen entsprechen…

Ich freue mich aber riesig auf das erste Konzert in großer Besetzung nach Corona!

…eine kleine Anmerkung am Rande: Während der Corona-Krise in der Zeit der strengen Kontaktbeschränkungen trafen sich einige Blechbläser im virtuellen Raum zum „Experimentieren aus Lust und Laune heraus“. Man verabredete sich, einer fing an, die anderen spielten danach ein, alles wurde in einem Filmschnittprogramm zusammengesetzt… so entstand u.a. „Die Post im Walde“ und ein besonderer Geburtstagsgruß:

Wo suchst du Ausgleich zum Musikerleben? Gehört Musik ganz natürlich zu deinem Leben, ist es ein Lebensinhalt oder „nur Beruf“? Gibt es besondere Leidenschaften jenseits des Berufs? 

Philipp mit seiner Frau Theresa am Großglockner

Ausgleich zum Musikerleben suche ich hauptsächlich im Sport…Ich fahre mit meiner Frau Theresa sehr viel mit dem Rad…Rennrad und Mountainbike…..die großen Alpenpässe kennen uns alle schon 😉

Im Winter gehen wir dann viel Langlaufen, Skifahren oder Skitouren!

Ich würde sagen, das ist schon eine besondere Leidenschaft!

Musik und Trompete sind für mich absolut Lebensinhalt….ich spiele wahnsinnig gerne….

 
Worauf freust du dich in naher oder ferner Zukunft? Gibt es ein besonderes Konzert, was du den Orchesterfreunden empfehlen möchtest?

Ich freue mich auf jedes Konzert….früher war ich immer auf gewisse Komponisten fixiert , aber eigentlich gibt es nie ein Programm, welches mir nicht gefällt oder ich nicht gerne spiele. Man muss immer offen sein für Neues…nicht nur als Musiker, sondern auch als Zuhörer! 

2 Kommentare zu „Ein neuer Trompeter macht den Anfang

Gib deinen ab

  1. Prima, dass ihr auch eure neuen Kollegen vorstellt. Herzlichen Dank dafür!
    Beim nächsten Konzert (hoffentlich ist es nicht mehr all zu lange hin) werde ich genauer schauen, ob er dabei ist. 😉
    Besonders der letzte Satz des Interviews, „Man muss immer offen sein für Neues…nicht nur als Musiker, sondern auch als Zuhörer!“ ist so wahr. Dieses Neue, manchmal auch Ungewohnte, ist es, was die Konzerte des MDR-SO immer wieder interessant macht. Und so freue ich mich auf neue Konzerte, neue Klangfarben und auch auf neue Musiker*innen.
    Ein (nachträgliches) herzliches Willkommen, Philipp Lang und Glückwunsch zum Bestehen des Probejahres.
    Beste Grüße
    Matthias Rudolph

    Gefällt 1 Person

    1. Lieber Matthias, es freut uns, dass der Auftaktartikel so viel Zuspruch findet. Schon bald werden die nächsten Kollegen vorgestellt und es darf dann (wenn wir wieder einmal als Wimmelbild auf der Bühne stehen/sitzen werden), mit dem Theaterglas gesucht werden. 😉
      Herzliche Grüße,
      Susanne Schneider

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