Thomate, der musikalische Tausendsassa

Hans–Günther Thomasius, oder Thomate, wie er in Musikerkreisen liebevoll genannt wird, ist aus dem Mitteldeutschen Konzertbertrieb wohl kaum wegzudenken.

Nicht nur als Vorspieler im MDR Sinfonieorchester ist er eine Instanz gewesen, sondern auch als Kammermusiker u.a. im Tanabe-Quartett, dessen festes Mitglied er noch immer ist. Zudem konnte man ihn bei unzähligen Muggen (Musikalische Gelegenheitsgeschäfte, wie sie in Musikerkreisen so schön heißen) antreffen – bei Konzerten im In- und Ausland, ob nun in freien, wie auch festen Projekt- oder Kammerorchestern wie dem Mitteldeutschen Kammerorchester oder der Kammersymphonie Leipzig, oder auch als Aushilfe in renommierten Orchestern wie dem Gewandhausorchester. Im Musikbetrieb war Thomate immer eine sichere Bank und im Privaten ein echter Kumpel, unter dessen manchmal rauer Schale ein liebevoller, weicher Kern steckt.

Hans-Günther Thomasius, Japan 2020

Dabei begann Hans-Günthers Karriere unter ungewöhnlichen Umständen. Den ersten Geigenunterricht erhielt der gebürtige Leipziger nämlich bei einem Trompetenlehrer in Taucha, bevor er an die Spezialschule für Musik nach Halle/Saale wechselte. Wenige Zeit später entdeckte er dann die Liebe zur Bratsche und war noch vor Studienantritt bei Prof. Dietmar Hallmann an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig in verschiedensten Formationen mit Tanzmusikgruppen unterwegs. Seine Karriere nahm nach dem Studium schnell an Fahrt auf – begann er als Tuttist im Großen Rundfunkorchester Leipzig, so wechselte er im selben Orchester alsbald auf die stellvertretende Solobratschen-Position. Nur kurze Zeit später erspielte er sich eine Tutti-Stelle im Rundfunksinfonieorchester, wurde dort Ende der 80er Jahre Vorspieler der Bratschen.

Zeit seines aktiven Arbeitslebens war Hans-Günther immer auf Achse. Zahlreiche Reisen, zunächst in die befreundeten Staaten der DDR, später auch ins kapitalistische Ausland, haben den Bratscher nachhaltig beeindruckt. Die für ihn prägendsten Konzerterlebnisse datiert er selbst auf das Jahr 1982. Sowohl in Italien feierte das Rundfunksinfonieorchester Leipzig zu der Zeit große Erfolge, als auch in Japan, in den damals schon beeindruckenden großen Konzerthallen wie der Suntory-Hall in Tokyo. Aber auch die Berliner Philharmonie und – als Lokalpatriot für ihn besonders wichtig – der Konzerthallennachbau des Gewandhauses in Boston haben ihn begeistert.

Den Herausforderungen des arbeitsreichen Musikerdaseins ist Thomate stets mit Disziplin, Konsequenz und einem gewissen Maß an Opferbereitschaft begegnet. So bekennt er, dass, auch wenn die Erfahrung mit den zunehmenden Berufsjahren wuchs, doch ebenso der individuelle Aufwand stieg, um das notwendige Niveau zu erhalten. Viele Erfolge stellten sich für Hans-Günther jedoch über Kammermusik ein und boten immer einen zusätzlichen Motivationsschub für seine eigene Tätigkeit.

Doch bei aller Liebe zum Beruf: die Familie stand für Hans-Günther Thomasius immer an erster Stelle. Das war laut eigenem Bekunden bei diesem Umfang an beruflicher und nebenberuflicher Tätigkeit nicht immer leicht zu vereinbaren, denn auch pädagogisch war Hans-Günther Thomasius umtriebig und unterrichtete lange Zeit Geigenschüler an der Außenstelle der Leipziger Musikschule in Wurzen. Auch mit seiner Familie war er oft unterwegs. Waren es zu DDR-Zeiten Reisen an die Ostsee und in die Mittelgebirge, so ging es nach der Wende oft in die Schweiz und nach Italien. Mittlerweile haben seine drei Kinder selbst Familien; Hans-Günther ist sechsfacher Opa und inzwischen sogar schon ein mal Uropa.

Und so wie man sich das Musikleben Mitteldeutschlands nicht ohne Thomate an der Bratsche vorstellen kann, so wird die Musik auch weiterhin einen großen Platz in seinem Leben einnehmen. Und wenn ihm seine Kammermusikformationen, in denen er noch weiter tätig sein wird, noch etwas Freiraum lassen, wird er mit der ihm als Musiker eigenen Disziplin, Konsequenz und Liebe zum Detail, auch noch Herr des Wildwuchses auf seinem Grundstück werden.

Hans-Günther Thomasius beim Orchesterwandertag 2019 in Burgk

Wir wünschen ihm dafür, und natürlich auch für alle weiteren musikalischen wie privaten Projekte im Ruhestand beste Gesundheit, Elan, Muße und Gelassenheit.

Abschließend sei hier noch ein wenig aus dem Nähkästchen geplaudert. In Proben setzte Hans-Günther beim Wort „Pause“, egal in welchem Zusammenhang, immer zum Gehen an – eine Geste die oftmals für Erheiterung sorgte und nun sicher manch einem fehlen wird. Und nach bestimmten Schlusswendungen pflegte Thomate die leeren Zählzeiten mit einem gesprochenen „Chachacha“ aufzufüllen.

In diesem Sinne möchte nun auch ich die, durch seinen Weggang, entstehende Leerstelle auffüllen:

Thomate, mach’s gut! Chachacha!

Hans-Günther Thomasius‘ offizielle Verabschiedung im MDR kann unter  https://www.mdr.de/konzerte/sinfonieorchester/renteneintritt-verabschiedung-sinfonieorchester-thomasius-100.html nachgelesen werden.

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