Reihe Eins

Nachdem ich gestern Nachmittag zum Notenspur-Salon in Leipzig war, habe ich am Abend noch das „Reihe Eins“-Konzert des MDR Sinfonieorchesters besucht. Auf diese Idee bin ich ganz kurzfristig gekommen, weil ich als Mitglied des Freundeskreises des MDR-Sinfonieorchesters die Möglichkeit hatte, bei einer Probe für das Konzert dabei zu sein.

Zeitweise wurde das Orchester von der Bigband der Deutschen Oper verstärkt. Das Programm stand unter dem Motto „Radio-Musik“ und erinnerte daran, dass vor 100 Jahren der Rundfunk öffentlich wurde. Das hat der Moderator des Abends, Herr Bille, sehr schön erklärt.

Ich war ziemlich traurig, dass der große Gewandhaussaal einigermaßen leer war. Die Musik war einfach großartig und es ist erstaunlich, dass in den frühen Jahren des Rundfunks so schmissige Musik zur Unterhaltung der Hörer komponiert wurde. Wenn ich mir vorstelle, dass da doch große Orchester, z. T. mit Gesangssolisten, in einem Sendesaal untergebracht werden mussten, um ein Konzert auszustrahlen – das muss keine Freude gewesen sein. Aufzeichnungen gab es damals noch nicht.

Gestern gab es Musik verschiedenster Stilrichtungen, auch jazzige Klänge waren dabei. Die „Tänzerische Suite op. 26 für Jazzband und großes Orchester“ hat mir besonders gut gefallen. Das Orchester hatte mit Ernst Theis auch einen Dirigenten, der zu Höchstleistungen anspornen konnte. Es war ein wunderbarer Abend für mich. Und wir wenigen Zuhörer haben am Ende so getobt, dass es auch noch eine Zugabe gab.

Danke für diesen Abend.

2 Kommentare zu „Reihe Eins

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  1. Es freut mich sehr, liebe Frau Friede, dass Sie im Konzert waren und so begeistert und fleißig hier schreiben! Vielen Dank für den Bericht aus Publikumssicht.
    Ich saß gestern im Orchester, hatte mich schon lange auf genau dieses Programm gefreut und meine Erwartungen an die Musik wurden nicht enttäuscht. Die Musik dieser kurzen, sehr revolutionären Rundfunkzeit mit vielen Kämpfen um den „richtigen“ Weg ist schon etwas ganz besonderes, war sie doch nicht in erster Linie für den Konzertsaal gedacht. Heute wird sie kaum noch gespielt aus den verschiedensten Gründen. Wie wichtig es ist, dieses Kapitel aufzuschlagen, zeigen auch die Lebensläufe der Komponisten, wie sie sich danach weiterentwickelten oder in ihrer Entwicklung gestoppt wurden. Pavel Haas, ein jüdischer Komponist wurde im KZ ermordet; Paul Graener wurde ein Denunziant übelster Sorte, NS-Kulturpolitiker, starb nazitreu und ordendekoriert 1944; Walter Braunfels, sehr erfolgreicher, jüdischer Komponist, den man nicht einfach umbringen konnte, weil er schon zu berühmt war, musste sich während der Nazizeit in Deutschland verstecken und Eduard Künneke, der in die NSDAP eintrat und wieder ausgeschlossen wurde wegen jüdischer „Versippung“ schrieb weiter seine Musik und lebte fortan unangetastet in Deutschland, ein „Profiteur“? Nun, all das passierte nach dieser Zeit, in der diese Musik im Radio gespielt wurde. Wie viel wäre wohl möglich gewesen und wo wären wir heute, wenn dieser Weg fortgesetzt worden wäre? Wir wissen es nicht, die NS-Zeit hat alles zerstört. Schade ist, dass z.Bsp. Walter Braunfels, der nach der NS-Zeit an seine alten Erfolge anknüpfen wollte, nie wieder zu alter Größe gefunden hat. Eines seiner Werke wurde damals beim Bayrischen Rundfunk als „zu deutsch“ abgewiesen. Erst in den 90er Jahren, lange nach seinem Tod, begann man sein kompositorisches Schaffen wiederzuentdecken.

    Es sind diese Programme, die die Arbeit in einem Rundfunksinfonieorchster besonders machen und sie sind ein schöner Ausblick auf das 100jährige Jubiläum des Mitteldeutschen Rundfunks und des Rundfunksinfonieorchsters, das bald (2024) ansteht. Hoffentlich folgen recht bald viele davon.

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