Der Weg eines Klarinettisten nach Leipzig, in Leipzig und um Leipzig herum

Im Oktober 2021 beginnt für Bernd Kraft, seit 1977 Klarinettist in den Leipziger Rundfunkorchestern, der wohlverdiente Ruhestand. Er möchte sich mit einem persönlichen Rückblick verabschieden, den wir auf unserem Blog gern weitergeben. Alles Gute für den neuen Lebensabschnitt, lieber Bernd!

Geboren wurde ich – Bernd Kraft – am 07.12.1955 in Mohorn bei Wilsdruff.

Nach dem Besuch der Spezialschule und Hochschule für Musik „Carl Maria v. Weber“ in Dresden – hier unterrichtete mich Hans Tuppak im Hauptfach Klarinette – erhielt ich ab 1977 ein Engagement als Soloklarinettist im Großen Rundunkorchester Leipzig. Ab 1992 und bis zum Eintritt in den Ruhestand war ich Mitgied des MDR Sinfonieorchesters. 

Rückblick

Rückblickend war ich sehr froh, nach erfolgreichem Probespiel die Stelle eines Soloklarinettisten erhalten zu haben. Dadurch eröffnete sich für mich die Möglichkeit, Solokonzerte und Kammermusik im Gewandhaus und Alten Rathaus zu interpretieren, wofür regelmäßig auch entsprechende Produktionen erfolgten.

Auch durfte ich mit Prof. Hallmann das Konzert für Klarinette und Violine von Max Bruch produzieren, wofür ich sehr dankbar war. Ebenso bleibt mir das Gran Duo für Klarinette – Kontrabass – Klavier von Giovanni Bottesini als high light in Erinnerung. Die herausragende Griff- und Bogentechnik von Thomas Schicke beeindruckte nicht nur mich, sondern wurde vom Publikum mit großem Applaus honoriert.

Diese beiden Konzerte und Produktionen sollen beispielhaft genannt sein für viele weitere Konzertproduktionen, die ich auch mit anderen Soloinstrumenten in dieser Zeit realisieren konnte. Durch die politische Wende und den Mauerfall öffneten sich auch für das Orchester „neue Welten“ und ich bin froh, an Konzerten in Salzburg im Rahmen der Salzburger Festspiele, in Frankfurt/Main mit Placido Domingo oder – ganz besonders erwähnenswert – an der Carmen-Produktion  in der Dortmunder Westfalenhalle mitgewirkt zu haben. Ebenso beeindruckend waren die  Konzertreisen z.B. nach Athen, Japan, China und – nicht zu vergessen – Rom mit dem Konzert im Vatikan. Auch wenn die Zeit immer viel zu schnell verging – es bleiben nachhaltige Erinnerungen! Bei der Reisetätigkeit sollen aber die Konzertreisen im Sendegebiet des MDR nicht vergessen werden, wobei ich besonders die stets ausverkauften Konzerte im Erfurter Kaisersaal hervorheben möchte. Mit der Neustrukturierung der Orchester ab 1992 öffnete sich für mich aber auch musikalisches „Neuland“. Die Mitwirkung an vielen großen Chorwerken und z.B. auch den Mahler-Sinfonien waren für mich eine neue, spanndende Erfahrung. Beim Stichwort „neu“ denke ich aber auch an Aufführungen Neuer Musik wie von Steve Reich oder Gabriela Montero, die sowohl spiel- als auch hörtechnisch herausfordernd waren. 

Ein großer Sprung im Genre – aber da für mich als  langjähriges Mitglied der „Original Messestädter Musikanten“ die Blasmusik eine wichtige Rolle gespielt hat und ich mit diesem Ensemble eine entspannte und glückliche Zeit verbracht habe, darf dies beim Rückblick nicht fehlen. 

Durchblick

Bei so vielen Jahren als Orchestermusiker kann man bei all den Konzerten und Programmen schon mal den Durchblick verlieren….. Ich hoffe aber, dass ich in meiner langjährigen Lehrtätigkeit vielen jungen Menschen helfen konnte, in ihrer musikalischen Entwicklung den Durchblick zu gewinnen 😉 Begonnen habe ich mit meiner Lehrtätigkeit an der Musikschule Bitterfeld. Etliche meiner Schüler konnten Preise bei den Wettbewerben „Jugend musiziert“ erzielen. Ganz besonders stolz bin ich darauf, dass auch mehrere meiner ehemaligen Schüler die Musik zu ihrem Beruf gemacht haben – z.B. als Orchestermusiker oder Lehrer. Sehr gern habe ich auch den Lehrauftrag an der Hochschule für Musik Weimar ebenfalls für 6 Jahre ausgefüllt. Es ist eine schöne Bestätigung für mich, dass mehrere Studenten eine Stelle in Orchestern in Erfurt, Bamberg, Dessau und Stuttgart erhalten haben.

Ausblick

Was kommt nun? Natürlich bleibe ich meiner Klarinette bis zu meinem letzten Atemzug treu, wobei ich wohl eher im kleinen privaten Rahmen musizieren werde. Und jetzt werde ich auch mehr Zeit haben, um z.B. privat zu reisen oder ins Kino zu gehen und mir den aktuellen James Bond „Keine Zeit zu sterben“ 😉 anzusehen. An dieser Stelle ist es mir ein Bedürfnis, mich bei allen, mit denen ich in den vielen Jahren musizieren durfte, sehr herzlich zu bedanken! Alles Gute für Sie, für Euch!

2 Kommentare zu „Der Weg eines Klarinettisten nach Leipzig, in Leipzig und um Leipzig herum

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  1. 1000 Dank für den spannenden Rückblick eines Musikerlebens. So sensibel! Herzliche Grüße Bernd und dir alles Gute, Johannes

    P. S. Der neue James Bond Film ist Klasse. Viel Spaß dir!

    Gefällt 1 Person

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