Freitagsfrage mit viel Hoffnung!

Der Mai ist gekommen und es ist wieder einmal Zeit für eine Freitagsfrage!

„Was machen eigentlich die Musiker des MDR-Sinfonieorchesters jetzt in Corona-Zeiten?“

Viele Leute fragen das derzeit…

Die 120 Musiker des MDR-Sinfonieorchesters haben wirklich viel zu erzählen, denn sie sind nicht einfach still in diesen Zeiten. Wir versuchen, hier einmal ein paar Dinge in diesen Artikel zu quetschen, denn es gibt wirklich viel zu erzählen.

Nachdem wir in unserem letzten Freitagsfragen-Artikel schon darüber berichteten, dass sich manche der mdrSO-Musiker virtuell zusammenfanden, um kleine Videogrüße einzuspielen und zu Ihnen zu bringen, gab es noch ein größeres Orchesterprojekt. Gerd Fischer, Solo-Trompeter im MDR-Sinfonieorchester, komponierte ein Stück namens „Hoffnung“, viele technisch versierte Musiker nahmen zu Hause zum Teil mit einfachsten Mitteln ihre Stimme und sich selbst auf. Dass das gar nicht so einfach ist und man dabei selbst viel lernen kann, wurde schnell klar, denn nicht nur Töne gehören an die richtige Stelle, sondern auch der eigene Kopf und das Instrument ins rechte Licht gerückt. Irgendwie schafften wir es aber und sammelten alles in einem für (auf diesem Gebiet) Laien gigantischen Videoschnittprojekt zusammen, 57 Video- und Audiospuren kuschelten sich auf meinem (Susanne Schneider) Laptop ins kleine Fenster und waren kaum zu überblicken.

Mehr als einmal habe ich mich gefragt, warum ich „Ja!“ zu diesem Projekt gesagt habe… die Antwort ist ganz einfach: Aufgeben gibt´s nicht und ich habe sehr viel Hoffnung, dass alles irgendwann gut wird. :-))

Susanne Schneider

Eine Kurzfassung des Stückes ist als kleiner Clip bereits fertig, die „Langstrecke“ mit dem ganzen Stück folgt hoffentlich bald. Viel Freude beim Anschauen:

Sie können sich sicher denken, dass diese Art von Musizieren für Musiker sehr frustrierend ist, man kann nicht auf den Nebenmann eingehen, man weiß nicht, wie die anderen die Stimme spielen, mit der Mikrointonation kann man nicht reagieren, es ist gefühlt nichts zusammen empfunden wie sonst… und so waren auch die Reaktionen der Kollegen auf das erste Audio (wir sind ja das strenge Abhören im Studio gewohnt!)… diese Art von Musizieren ist einfach überhaupt niemals irgendein Ersatz für das Spielen in einem Orchester. Es hat eigentlich nicht im Entferntesten etwas damit zu tun!

Und doch haben wir den Clip bis zu Ende produziert. Erst die hoffnungsvollen Bilder aus dem Homeoffice machen dieses Video zu dem, was es zeigen soll. Das Unperfekte. Jeder von Ihnen kennt das Orchester auf der Bühne, war in zahlreichen Konzerten vor der Coronakrise und uns allen fehlt all das am meisten. Der Konsum von Musik aus der Konserve in Form von Wohnzimmerkonzerten kann niemals ein Liveerlebnis ersetzen, erst die Begegnung von uns Menschen, auf welchem Weg auch immer, macht Musik zu einem Herzschlagerlebnis.

Viele solcher Herzschlagerlebnisse gibt es derzeit. Mit dem #mdrLiederlieferdienst hat sich eine Idee weiterentwickelt, die sicher ihren Ursprung in zahllosen privaten Balkon- und Gartenzaunkonzerten fand, die auch sehr viele der MDR-Musiker von zu Hause aus spielten. Seit den gelockerten Kontaktbeschränkungen ist es nun möglich, Musik in Minikonzerten wunschgemäß unter die Leute zu bringen. Viele Grüppchen innerhalb des Orchesters und des MDR-Chores fanden sich neben fest bestehenden Ensembles zusammen und fahren nun täglich durch das Sendegebiet. Das erfordert eine schier unbeherrschbare Logistikorganisation in der Orchesterbüroabteilung, die großartig gemeistert wird. Hut ab und vielen Dank an dieser Stelle ins Orchesterbüro von mdrKlassik!

Es gibt inzwischen so viele Beiträge darüber, dass es den Rahmen des Artikels sprengen würde, hier detailliert zu berichten und wir verweisen erst einmal auf die offizielle mdr-Seite zu diesem Projekt, wo täglich neue Informationen dazu kommen, hier geht es entlang: https://www.mdr.de/konzerte/lieder-lieferdienst-mdr-ensembles-corona-100.html (möge der Link uns lange erhalten bleiben).

Vielleicht gelingt es uns, in kommenden Beiträgen über einzelne, bisher noch nicht erzählte Geschichten detaillierter zu berichten, denn was uns Musikern an Liederlieferdiensttagen im Außendienst begegnet, ist sehr berührend. Diese Erlebnisse sind für uns mindestens ebenso ein großes Geschenk wie für die Beschenkten, denn wir dürfen für andere musizieren!

Stellvertretend für viele sind hier einige Fotos:

Leider sind nun alle geplanten Konzerte der laufenden Spielzeit abgesagt und auch der mdr-Musiksommer wird nur im kleinen Rahmen stattfinden können. Detaillierte Informationen dazu lesen Sie bitte auf den mdr-Seiten, die in diesen Tagen ständig aktualisiert werden.

Die Kammerkonzertreihe im Gohliser Schlösschen, die fast ausschließlich von Kammermusikensembles der mdr-Klangkörper geprägt ist, liegt derzeit ebenfalls brach darnieder, aber auch hier gibt es eine schöne „Krisen-Idee“. Der Park des Schlösschens und die Nachbarschaft lädt zum Wandeln ein, das Schloss hat sehr schöne, große Fenster, die sich weit öffnen lassen, Musiker des MDR-Sinfonieorchsters werden dort stehen und die Musik wird weit schallen… Sonntags 16 Uhr! Kleine Vorschau, wer dort spielt?

  • Am kommenden Sonntag, 10.5., wird Julia Obergfell Oboe spielen, gemeinsam mit ihrem Freund Johannes Hund, einem Fagottisten aus der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz,
  • am Sonntag, dem 17.5. das Döring-Bläserquintett und
  • am Sonntag, dem 24.5. werden vier Damen der Cellogruppe des MDR-Sinfonieorchesters zu hören sein.

Lustwandeln mit Musik, wenn das nichts ist!

Sie haben eine Frage an die mdrSO-Musiker oder an die mit dem MDR Sinfonieorchester musizierenden Solisten und Dirigenten oder an die hinter der Bühne für einen reibungslosen Ablauf sorgenden Mitarbeiter? Schreiben Sie uns, wir versuchen, eine Antwort zu bekommen und veröffentlichen sie hier immer freitags. #mdrFreundefragen

Auch Musiker haben Fragen an Ihren Freundeskreis, deshalb wird es auch manche Frage an Freundeskreismitglieder geben. #mdrMusikerfragen


2 Kommentare zu „Freitagsfrage mit viel Hoffnung!

Gib deinen ab

  1. Ja ich gebe zu, mich hat es ein wenig „in die Stille gezogen“, weil dieses Desaster an meinem Existenziellen kratzt, aber Euer Engagement, diese Initiative färbt positiv auf mich ab! Ich danke Euch für die vielen kleinen musikalischen „Vitaminspritzen“ und den Aufruf, die Hoffnung nicht zu verlieren!

    Herzlichst, Eure Ella

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Ella, Hoffnung ist in diesen Tagen für uns alle wohl das Wichtigste… Hoffnung, gesund zu bleiben / zu werden; Hoffnung, wirtschaftlich gut durch diese Zeit zu kommen; aber auch Hoffnung, dass das, was wir alle in dieser Zeit zwischenmenschlich erleben, im „Danach“ festzuhalten sein kann. Wir Musiker des MDR-Sinfonieorchesters erleben bei unseren kleinen Liederliefertouren durch das große Sendegebiet sehr hautnah, was Musik vermag, wie Musik Menschen im Augenblick verbindet, eine kurze Oase der Erholung schafft. Das ist wundervoll! Davon wollen wir mehr erzählen, mit und ohne Worten…
      Sei herzlich gegrüßt und alles Gute, Susanne

      Liken

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