Archivschnipsel 4/2019

Schon mehrmals wurde hier in den Archivschnipseln aus der Festbroschüre zum 40. Jubiläum von Willi Pretzsch zitiert. Heute noch ein Abschnitt aus dem letzten Kapitel des Büchleins:

Da ist der Wald. Er besteht aus vielen Bäumen – aus jungen, alten, hochstrebenden, breit ausladenden, saftig grünen, knorrigen, kahlen, dicht belaubten. Die Jahre verändern den Wald. Ein Baum stürzt, vom Winde gefällt, vom Blitz getroffen, altersmüde. Sein Platz wird von einem anderen, einem jüngeren Baum eingenommen. Vielleicht steht von den einzelnen Bäumen, die den Wald ausmachen, 40 Jahre später keiner mehr. Und doch wird das Leben, das Wachsen, das Blühen bleiben. Doch bleibt der Wald.

So ist es mit der Gemeinschaft eines Orchesters.

Über keinen von denen, die vor genau 40 Jahren zu den ersten Mitgliedern des Leipziger Sinfonie-Orchesters zählten, kann hier berichtet werden. Wohl aber nehmen erfreulich viele, die zwei, drei oder vier Jahre nach der Gründung dem Orchester beitraten, als aktive oder passive Mitglieder am Geschehen teil. Aus ihrem Munde ist diese Geschichte erzählt. Die Geschichte ist aufgeschrieben für die Jüngeren, die sie einst ihren Nachfolgern berichten sollen. Sie ist in Worte gebracht im Auftrage der Menschen, die als Hörer im Konzertsaal, im Rundfunk oder Fernsehen ein Stück des Weges mitgegangen sind und in deren Namen diese Erzählung einen Dankesgruß an das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig übermitteln soll.

800 Jahre währt die Geschichte der Stadt Leipzig. Was sind gegen diese 800 Jahre die letzten 40 Jahre, die das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig zu seinem Teil mitgestaltet hat? Nicht viel. Und doch so viel! In 800 Jahren hat sich manches geändert, in diesen 40 Jahren aber Entscheidendes. Ein neues Lied überfliegt die Grenzen, fliegt über Deutschland, über die Welt.

Musik?

Ja! Schöner noch, gewaltiger noch!

Von wem?

Von immer neuen, immer mehr Menschen. Auch und gerade von den Menschen, die das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig waren, sind und sein werden!

Für wen?

Für alle, die in der Gegenwart – in jeder Gegenwart – die Zukunft bauen!


Willi Pretzsch, 1908 geboren und ab 1928 Mitglied des Leipziger Rundfunk-Orchesters schrieb dieses Heftchen 1964 aus sehr interessanter Perspektive. Seine Schilderungen beruhen vor allem auf persönlichen Erinnerungen von ihm und den Kollegen des Orchesters. Er war im März 1933 fristlos entlassen worden, hielt sich während der Nazizeit außerhalb Leipzigs als Musiker über Wasser, siedelte 1946 wieder nach Leipzig über und war bis 1952 Leiter der Musikabteilung am Leipziger Rundfunk.

Dienstags ist der #Depotdienstag der Museen, wir zeigen Schnipsel, die uns in unserem Archiv in die Hände fallen, aber auch Schnipsel, die mdr-Orchesterfreunde zu uns bringen. Deshalb unsere Frage an Sie: Haben Sie Erinnerungen zu Hause? Haben Sie Geschichten zum Orchester zu erzählen? Schreiben Sie uns oder erzählen Sie es uns (…möglichst so, dass wir es uns merken können, also am besten vor einem Mikrofon.)! Wir sind sehr neugierig…

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