Nach dem Konzert – Gedanken zu #WirSindKulturauftrag

Heute Mittag kam ich von einem Konzertwochenende aus Dessau nach Hause. Gestern Abend habe ich gemeinsam mit ca. 200 anderen Mitsängerinnen und Mitsängern und der Anhaltischen Philharmonie Dessau vor der Kulisse des Mausoleums im Georgium des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs Orffs Carmina Burana aufs Podium gebracht. Es war das traditionelle Scratch Konzert des Anhaltischen Theaters. Nachdem Corona die letzten 3 Konzerte verhinderte, war es nun endlich wieder möglich. Das Prinzip Scratch bedeutet dabei, dass das Werk vorgegeben wird, welches erst in einer Registerprobe, der Haupt- und Generalprobe in der angemeldeten Besetzung zusammengesetzt wird. Wir Laiensänger haben entweder das Stück schon im eigenen Repertoire oder lernen es in Eigenarbeit, manche auch in ihren Chören. Den letzten Schliff bringen die Proben, nicht zuletzt wegen der hohen Motivation aller Beteiligten klappt das immer wieder erstaunlich gut.

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Solche oder ähnliche Angebote gibt es auch von den Klangkörpern der ARD-Sendeanstalten. Und ich und viele Andere nutzen sie gern. Vor kurzem war ich in Bamberg zum CHORWÜRMER-Mitsingkonzert des BR, wo Howard Arman mit den Bamberger Symphonikern, Mitgliedern des BR-Chores und ca. 1000 Laien Teile aus dem Elias zum Klingen brachte.

 

 

 

 

 

 

 

 

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Anfang Juli wird in der Berliner Philharmonie der RBB sein Mitsingkonzert durchführen. Haydn steht an, die Schöpfung. Und ich freue mich riesig, mit Simon Halsey zu musizieren!

Ich weiß, dass es ähnliches auch beim NDR und beim WDR gibt. Alle Angebote habe ich noch gar nicht angesehen, meine Zeit war immer zu knapp.

Ich finde es unheimlich interessant, die unterschiedlichen Klangkörper zu erleben, die Arbeitsstile und Interpretationen der Beteiligten. Vom Glück des gemeinsamen Musizierens, der Euphorie nach einem gelungenen Konzert und den vielen Begegnungen mit anderen Sangesverrückten aus allen Ecken des Landes will ich gar nicht erst anfangen zu schwärmen.

Und nebenbei kommt man auch ein wenig herum im Land, besucht vertraute Orte und lernt neue kennen.

All das ist nur möglich, weil es eine Vielfalt gibt. Die Angebote in der Fläche würden nicht stattfinden können ohne die regionalen Protagonisten. Dass auch der Konsum von Konzerten nur sehr eingeschränkt wäre und die Förderung der Studierenden und jungen Profis schwieriger würde, wurde ja schon an anderer Stelle erörtert.

Und ja, die Anhaltische Philharmonie ist kein Bestandteil des ARD-Kosmos. Aber gerade nach diesem Konzertwochenende hatte ich beim Streunen durchs Georgium am Sonntagmorgen Muße, mir generell zur kulturellen Teilhabe Gedanken zu machen. Wenn nur ein Teil davon wegfiele, blieben so viele Menschen außen vor. Das Kitzeln aller Sinne mittendrin in einem Live Konzert,

ganz gleich ob als Publikum oder Mitwirkende, ist durch Radio, TV oder Web nicht komplett zu ersetzen, finde ich.

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Übrigens gibt es am 25.06.2023 in Dessau noch ein Wiederholungskonzert am Mausoleum in Dessau. Es soll noch Karten geben. Vielleicht treffen wir uns dort?

Kerstin Dorn

 

 

Eine Antwort auf „Nach dem Konzert – Gedanken zu #WirSindKulturauftrag

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  1. Danke für diese Gedanken! Ja, das ist in der Tat eine große Vielfalt an Angeboten und toll, dass so viele Musikbegeisterte an solchen Projekten mitwirken. Kulturelle Großprojekte für Jedermann zu ermöglichen, ist ein Auftrag, den wir alle mittragen. „Das Kitzeln aller Sinne“ ist essentiell wichtig für das Zusammenhalten einer Gesellschaft. Ich sage immer: Die Musik/Kultur muss zu den Leuten! Wie soll das gehen, wenn es nur einen Leuchtturm dafür gibt? Dann ist es in einem großen Teil des Landes trotzdem einfach dunkel. Eine breite Vielfalt ermöglicht es, dass alle etwas Licht finden könnten, wenn sie denn wollen. Es ist ein Auftrag, den wir uns als Gesellschaft unbedingt „leisten“ sollten!
    Übrigens, von den 18,36 € Rundfunkbeitrag, die jeder von uns zahlt, werden gerade einmal 42 Cent für die Rundfunkklangkörper aufgewendet.
    Herzliche Grüße, Susanne Schneider

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